Nachdem ich die Woche zuvor aufgrund der schlechten Witterung das zweite Mal an meiner persönlichen Trans Alp (Bozen-Innichen-Lesachtal-Sappada) gescheitert war, versuchte ich es diesmal verkürzt und auf umgekehrtem Wege: Sappada-Lesachtal-Innichen-Sappada.
Ausgeruht und voller überschüssiger Energien ging es zunächst hinauf zu den Piavequellen (der heilige Fluss der Italiener hat es mir einfach angetan) und anschließend nicht so rasant wie gewohnt (ein kleiner italienischer Junge wollte mich einfach nicht auf dem Steig vorbeilassen) hinunter ins Val Visdende.
Nachdem ich mich hier reichlich mit frischem Wasser eingedeckt hatte, ging es an den langen, beschwerlichen Anstieg zum Tilliacher Joch. Seit meiner letzten Tour in diesem Gebiet haben sich auch hier die Touristiker auf die stetig wachsende Gemeinde der Bergradler besonnen. Während vor einigen Jahren jede Tour hier eher eine Fahrt ins Ungewisse war, sind die verschiedenen Wege und Routen nun gut ausgeschildert. Dementsprechend groß war auch die Anzahl an Radlern, welche sich mit ihren High-Tech-Bikes den Berg hoch quälten.
Das Tilliacher Joch bildet die Grenze zwischen Österreich und Italien, im ersten Weltkrieg war hier ein Teil eines österreichischen Landschützenregimets stationiert, was auch an den noch vorhandenen Bunkerbauten zu erkennen ist. Dementsprechend handelt es sich auch um einen Straße aus dem 1. Weltkrieg, welche zum Joch hinaufführt.
Solange der Weg geteert bzw. geschottert war, kam ich ohne größere Probleme vorwärts. Als nach den letzten bewirtschafteten Almen die Straße jedoch in ihrem ursprünglichen Zustand wie aus dem 1. Weltkrieg weiterführte, war es mit der Herrlichkeit vorbei – vielleicht hätte ich mir doch einen neuen Reifen zulegen sollen...
Nach langem Geschinde und unzähligen Durchdrehern (aufgrund des mangelhaften Profils war der Reifen nicht imstande, meine gewaltige Kraft auf das Erdreich zu übertragen) und nachdem mich jene zwei Radler wieder überholt hatten, welche ich weiter talwärts mit einem Lächeln auf den Lippen einfach überholt und stehen gelassen hatte, kam ich endlich am Tilliacher Joch an.
Nachdem ich mich erholt und noch mit zwei bundesdeutschen Touristen darüber diskutiert hatte, wo denn nun eigentlich Bozen liegt, ging es an die Abfahrt ins Lesachtal. Nun ja, obwohl ich allgemein als sehr besonnener Fahrer bekannt bin, hat mein Rad wohl trotzdem einige Schläge zu viel abbekommen – ein Teil meiner Sattelstütze befindet sich irgendwo zwischen dem Tilliacher Joch und Obertilliach...
Im Tal angekommen ging es entlang des Grenzlandweges bis zum Kartitscher Sattel, nach Tassenbach und von dort den Radweg Richtung Innichen. Dies hier war der gefährlichste Teil meiner Tour. Dieser Radweg ist besonders bei Familien sehr beliebt, da er bis Lienz immer ein leichtes Gefälle aufweist und man dort angekommen, einfach in den Zug steigt und sich wieder nach Innichen bringen lässt. Des Öfteren musste ich Kopf und Kragen riskieren, um Radfahrern auszuweichen, welche plötzlich mitten im Weg stehen blieben um auf ihre Liebsten zu warten.
Nach 128 Km und 2600 Hm erreichte ich wieder meinen Startort. Nachdem ich meinen Flüssigkeitsverlust ausgeglichen hatte (mein Geheimtip: Weissbier), machte ich mich müde aber glücklich und zufrieden auf die Suche nach einer Herberge – glücklicherweise wusste ich schon wohin ;-)
Tags darauf unternahm ich, diesmal in Begleitung, einen kurzen Regenerationsstrampler durch das Dorf. Nach ca. 10 Km wurde zum Einkehrschwung in der örtlichen Forellenzucht angesetzt um ein ausgiebiges Fischmahl zu genießen. Seit ich das erste Mal dort eingekehrt war, bestand meine Vorspeise immer aus Forellensalami. Leider hat die Qualität der Forellensalami wie auch der Bedienung in der Zwischenzeit sehr nachgelassen, werde mich wohl wieder auf Fleischspeisen konzentrieren müssen :-)