
An unserem 4. und gleichzeitig letzten Tag in Florenz stand ein Treffen mit Alex, einer Bekannten meiner Begleiterin aus den Vereinigten Staaten, welche sich in der Zwischenzeit in Florenz niedergelassen hat, auf dem Programm.
Nun konnten wir auch feststellen, wie wertvoll „Insiderwissen“ in solchen tourismusprostituierten Städten ist. Alex führte uns zum Mittagessen in ein Lokal in der Nähe des „Ponte Vecchio“, in welchem man für 7€ bzw. 10€ ein komplettes Menü zu sich nehmen konnte. Zugegebenermaßen war die Auswahl nicht gerade berauschend, aber besser eine kleine Speisekarte mit Gerichten welche der Koch beherrscht als eine umfangreiche mit zahlreichen Experimenten...
Für intensiven Kulturgenuss war diesmal keine Zeit (wenn Frauen quatschen dann quatschen sie), war vielleicht auch besser – mein Kultur-Akku hatte in den letzten Tagen bereits die volle Ladung erhalten ;-)
Abends ging es wieder ins „Di Sordo“. Ich entschied mich für frittierte Artischocken und frittierte Huhn- und Hasenstückchen. Wollt ihr einen Rat von einem weit gereisten, sämtliche Spezialitäten (außer auf Amazonasdampfern) aller Herren Länder probierenden Tiroler wissen? Esst am Abend nicht zu viel Frittiertes – es liegt schwer auf dem Magen...
Am nächsten Tag ging es frühzeitig mit dem Zug Richtung Venedig. Nachdem wir einen Abstecher nach Brescia (lange Geschichte...) gemacht hatten, ging es heimwärts in die Dolomiten nach Sappada.
Aus Erfahrung wird man klug – dies gilt sogar für mich. Seitdem ich mich schon einige Male beim Eiskratzen geärgert hatte, wird mein Auto seither immer zugedeckt – zumindest die Frontscheibe.
Nun hat es sich zugetragen, dass es während meines Florenz-Aufenthaltes Frau Holle Sappada mit Schnee beglückt hatte. Eine liebenswerte Person hatte deshalb mein Auto mit dem Besen vom ärgsten Schnee gereinigt – auch die Decke auf der Frontscheibe. Als nun während des Tages die Sonne auf den Opel knallte, bildete sich zwischen Scheibe und Decke ein feiner Wasserfilm. So stand ich also am Montag um ca. 5.00 Uhr in der Früh fluchend bei meinem Auto - die Decke war an der Frontscheibe angefroren...
Die steifgefrorene Decke hat übrigens diese Aktion nicht überlebt – den letzten Teil ließ sich bei Welsberg von der Frontscheibe lösen...
Nachdem ich die letzten Tage mit der Beschaffung von Stimmen für meine Wiederwahl zum Hauptmann der SK Karneid-Kardaun beschäftigt war, finde ich nach geschlagener Schlacht endlich wieder die Muße um mein Florenz-Tagebuch weiterzuführen.
Der dritte Tag in der Hauptstadt der Toskana war der absolute Höhepunkt - sei es aus kultureller als auch aus kulinarischer Sicht.
Unseren Kultur-Hunger stillten wir im Palazzo Pitti bei Dutzend und Aberdutzend Bildern. Besonders interessant jener Teil der Ausstellung, in welchem Bildnisse der Schlacht von Custozza dargestellt waren. Bilder voller Pathos aus denen die Nationalität des Künstlers klar ersichtlich ist. Nachdem wir einige Stunden durch den Palast gelustwandelt waren, war mein Tagesbedarf an Kultur gestillt.
Dies war eigentlich der einzige sonnige Tag meines Florenz-Aufenthaltes, er lud förmlich zum Bummeln ein. Während wir so dahinschlenderten standen wir plötzlich vor der „Bottega del cioccolato“ – fantastisch. Natürlich habe ich sofort ein paar handgemachte Pralinen und ein paar besondere Tafeln Schokolade (100%, 85%, 70% Kakaoanteil, mit Grüntee und mit Fleur de Sel) als Mitbringsel für ganz besondere Personen erstanden. In der Zwischenzeit habe ich mich überzeugt, dass ich die besonderste Person bin die ich kenne – die Schokolade bleibt also bei mir :-)
Nach dieser süßen Offenbarung ging es am Abend zum Cocotrippone, ein Lokal mit 26 (!) Sitzplätzen auf ca. 20m2, in dem es keine Einzeltische gibt. An unseren Tisch wurden zwei Pärchen (offenbar Feinde des Alkohols, wir haben aber den Tischdurchschnitt auf ein akzeptables Maß angehoben) mit einer sehr redseligen Dame gesetzt. Leider hatte diese eine Stimmlage, die man nicht überhören konnte... Innerhalb von ca. 15 Minuten wussten wir dass sie aus Bari stammt, ihre Heimat nicht liebt (dobbiamo tornare in terronia), nun in Turin lebt, Klavier spielt, ihre erste elektronische Orgel nur über eine Oktave verfügte, die zweite dafür schon über drei – dies war der Zeitpunkt um die zweite Flasche Chianti zu bestellen - Anschließend war es einfacher ihre Piepsstimme zu überhören. Dafür entschädigte das Essen für vieles: „Risotto della casa“ und die obligatorische Fiorentina – einfach wundervoll. Kostenlos wurden wir auch hier nicht verköstigt, aber wenn die Mahlzeit so mundet zückt man schon mal lieber die Bancomat-Karte :-)
Diesmal hatte wir auch Glück mit den Großvenedigern: 7,60€ und 8€ für jeweils 2 Stück - wahre Schnäppchen...
Nachdem ich mich vom 20€-Schock erholt habe und ich sogar ein Dankesschreiben des italienischen Ministerpräsidenten erhalten habe (wird für meine Wiederwahl zum HPTM wohl nicht förderlich sein), geht es nun weiter mit meinem Florenz-Tagebuch.
Am 2. Tag stand der Besuch des Domes auf dem Programm. Hier ist besonders die Kuppel einen Besuch wert. Nach langem Treppen steigen erreicht man die Innenseite der Kuppel, welche mit Fresken zum Weltuntergang bemalt ist – einige Gestalten erschienen mir sogar bekannt...
Nach weiteren Stufen (insgesamt über 400) erreicht man den Außenbereich der Kuppel. Von hier aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf Florenz – bei Schönwetter, bei Nieselregen ist man eher versucht, baldmöglichst wieder ins Innere zu gelangen. Weiter störend: die Handyfetischisten welche ihren Hinterbliebenen immer und überall lautstark mitteilen müssen, wo sie sich gerade befinden – glücklicherweise habe ich dieses Problem mit meinem Teilzeitmobilfunktelefon nicht ;-)
Anschließend ging es Richtung „Piazza della Signoria“ und danach weiter zum „Ponte Vecchio“. Überall massig Touristen, bewaffnet mit Digitalkameras (ihr Erfinder wird sich schon dumm und dämlich verdient haben – hoffe ich zumindest für ihn) und Mobilfunkgeräten.
Nachdem wir also den ganzen Tag über Kultur eingeatmet hatten, war ein gediegenes Abendessen (diesmal gut informiert) mehr als verdient. Es ging ins „Di Sordo“, ein typisches Lokal ganz in der Nähe unserer Wohnung. Kostenlos war das Essen hier auch nicht, aber für die konsumierten Speisen (wenn ich esse, dann esse ich :-)) wirklich angemessen. Empfehlenswert.
Abschließend bedanke ich mich bei Herrn Prodi, George „Doppely“ Bush und S. Magnago für die aufmunternden Kommentare, teile ihnen aber gleichzeitig mit, dass dies eine überparteiliche Seite ist auch bleiben wird und ich ihre Politik sowieso nicht unterstütze. Die Südtiroler Parteienlandschaft besitzt nun ja zwei Parteien mit der Freiheit im Namen – da werde ich schon was finden ;-)
Ein Gruß ins Lazarett nach Girlan. Der Witz von den Schützen welche nicht mehr Schi fahren da der Schnee aus Italien kommt, war super - brachte mich aber ins Grübeln: Hom die Pusterer kuan Schnea mehr? Nor hoffmer mol, dass is Gros leibolamol wiader wochst...
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| Florenz - Tag 2 |