26 Oktober 2012

Auf der Suche nach dem Weihnachtsmann

2.30 Uhr, Freitag, 26. Oktober 2012, irgendwo in Finnland

Ich denke es ist masochistisch, wenn nicht gar pathologisch - schon wieder versuche ich mir fern eines gemütlichen Bettes die Nacht um die Ohren zu schlagen, um so günstig wie möglich von A nach B zu kommen...
Diesmal sitze ich im P 273 von Riihimäki nach Rovaniemi – finnischen Gerüchten zufolge soll dort der Weihnachtsmann residieren. Und nach Jahren der weihnachtlichen Enttäuschungen ist es an der Zeit, diesmal mit meiner Wunschliste auf Nummer sicher zu gehen und die Liste beim Boss höchstpersönlich zu deponieren.
Nachdem ich mich im Speisewagen nahezu ohnmächtig getrunken hatte - 14€ für zwei Fingerhut voll Gin-Tonic in niedlichen Plastikbecherchen lösen bei mir eben Ohnmachtsanfälle aus – war es an der Zeit, geldbörsenbestimmt die Qualität der Sessel in den finnischen Fernreisezügen zu testen. Fazit: wahrlich komfortabel – für ca. eine halbe Stunde, anschließend melden sich alle Knochen einzeln...
Muss aber auch mit dem Alter zu tun haben. Das Jungchen mir gegenüber liegt schon seit ca. 2 Stunden in Embryostellung auf seiner Sitzreihe und rasselt völlig entspannt die finnische Nationalhymne – mir tun schon vom Hinsehen alle Knochen weh und meine linke-Pobacken-Zerrung dehnt sich bis zur rechten großen Zehe aus...
Aber was solls. Um 10.40 Uhr sind wir in Rovaniemi und diese knappen acht Stunden werden wir auch irgendwie tot schlagen – alternativ eben den Rasselheini gegenüber...


25 Oktober 2012

Inside Lappeenranta – Mein Leben in Lappeenranta


Wenn man sich an den andauernden Nieselregen erst mal gewöhnt und sich kleidertechnisch entsprechend ausgerüstet hat, lässt es sich hier im hohen Norden ganz gut leben.

Meine Zeit verbringe ich aufgrund der weiterhin akuten Abneigung lokaler Essgewohnheiten zu einem guten Teil mit Lebensmittelbeschaffung und -verarbeitung - inzwischen habe ich mich zu einem ganz passablen Koch gemausert, welchen auch neue Rezepte nicht schrecken.

Natürlich wird auch kräftig Sport getrieben. In der Zwischenzeit musste ich mich aber leider aufgrund einer Zerrung in der linken Pobacke vom Hardcore-Power-Running verabschieden und mich meinem Alter entsprechend dem Hardcore-Power-Nordic-Walking und dem Hardcore-Power-Finnisch-Volks-Dancing zuwenden.

Habe auch festgestellt, dass sich meine Kleidergröße von "L" wie Large auf "S" wie Schmalwurf reduziert hat. Denke das hat weniger mit dem ganzen durch-die-Gegend-Gehopse zu tun als eher damit, dass hier die Kleidergrößen anders gehandhabt werden, damit auch die von Haus aus stämmigeren Finnen gerne und regelmäßig einkaufen – wer kauft schon gerne XXXL...

In der Zwischenzeit habe ich meine Leidenschaft für finnische Schriftsteller entdeckt - so was von schwarzhumorig findet man selten. Besonders empfehlenswert „Canale Grande“ von Hannu Raittila. In diesem Buch wird in treffender Weise die unterschiedliche Lebensauffassung von Nord- bzw. Südländern auf die Schippe genommen und so manches Klischee bedient.

Was ich hier am meisten vermisse, ist sicherlich meine Hängematte/Liebesschaukel, ein anständiges Törggelen, eine Flasche Magdalener aus Erzeugerabfüllung und Johannas Duft.
Zumindest das Törggeleproblem konnte teilweise gelöst werden, die Kraut-Zubereitung ist nunmehr für mich kein Buch mit sieben Siegeln mehr. Über die hier übliche Hauswurst brauchen wir jedoch kein Wort verlieren – mit so einer Wurst müsste jeder Buschenschank in Südtirol Konkurs anmelden...

23 Oktober 2012

Inside Lappeenranta - Die Finnen

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Ich liebe das finnische Volk! Insbesonders ihre ausgeglichene Art und Geradlinigkeit in der Konversation ist wohltuend, Füllwörter oder belanglose Sätze existieren de facto nicht. Es wird gesagt was zu sagen ist, kein Wort mehr oder weniger – da gelte sogar ich als Quasselstrippe...

Beispiel: Rückkehr meinerseits am Abend. Im Treppenhaus Geruch nach verbranntem Plastik. Der kleine Arbeitsschützer in mir sofort hellwach, die wichtigsten Schritte eines Notfallplanes werden in Gedanken durchgegangen. Schritt 1: Gebäudeverwahrer=Hauswart benachrichtigen. Wohnung des Hauswartes liegt wenige Schritte um die Ecke. Ich klingle an der Tür. Komme wahrscheinlich ungelegen, da der Hauswart länger braucht (entspricht seine Wohnungseinteilung der unseren, war er gerade beim Sch......). Ich in meinem besten Englisch: „In the staircase is smoke“. Er: “Like fire smoke?“. Ich: „Yes“. Er: „You hear fire alarm?“. Ich: „No“. Er: „I think there is no problem“. So werden Notfälle innerhalb weniger Sekunden gelöst.
In den nächsten war es im Treppenhaus zwar finster wie im Hühnerarsch, Brand hat es aber effektiv keinen gegeben...

22 Oktober 2012

Inside Lappeenranta - Das Trinken

Wer hier seine Probleme oder schmerzhaften Erinnerungen im Alkohol ersäufen will, kann dies auf überaus unterschiedliche Art und Weise bewerkstelligen: Bier in 0,33 Liter Dosen, in 0,5 Liter Dosen, 0,568 Liter Dosen (entspricht einer Pint) und in den ungemein handlichen 1 Liter Dosen. Dazu natürlich verschiedenste Flaschenbiere, Weine aus dem Ausland, Hochprozentiges und die allgegenwärtigen Ciders, schwach alkoholische Getränke - keine Ahnung wem das Zeug schmeckt...

Mit der Beschaffung der Alkoholika verhält es sich ungefähr wie mit der Anschaffung von Werkzeugen in Südtirol: reicht Heimwerkerqualität – sprich Alkohol unter 5%vol – genügt der Besuch eines normalen Supermarktes. Gilt es jedoch gröbere Probleme im Alkohol zu ertränken, kommt der Fachhandel ins Spiel. Nur in diesen spezialisierten Geschäfte darf Alkohol über 5%vol verkauft werden - sinnigerweise wurden sie auf den Namen „Alko“ getauft. Hier findet man alles, was es für eine erfolgreiche Sause braucht – sogar sizilianischen Wein, in Dänemark abgefüllt... Glücklicherweise gibt es auch Bier aus deutschen Landen, das finnische Bier reißt mich nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen hin.
Bleibt zu erwähnen, dass sich in Finnland nur Leute mit großer Brieftasche große Probleme zum ersäufen leisten können, alkoholische Getränke gehören hier nicht eben zur Billigware – wie  der Rest eigentlich auch.
Aufgrund der hohen Getränke- und Lebensmittelpreise lebe ich hier ganz nach dem Motto:

Soll das Geldbörserl nicht zu viel leiden,
sollst Gelage du vermeiden.

in verschärfter Askese. Alkohol gibt es demnach nur am Wochenende und dann nur in sehr überschaubaren Mengen.

Etwas Gutes haben diese hohen Getränke- und Lebensmittelpreise ja auch: das Entgiften und Entschlacken fällt ausgesprochen leicht. In der Zwischenzeit habe ich auch meine Kur mit der Knoblauch-Tinktur aus dem Kloster Olimje in Slowenien erfolgreich abgeschlossen: 

Alkoallium Mixtum: Knoblauch-Tinktur. Sie hilft dem Organismus bei der Abschlackung von Fetten und Kalkablagerungen. Die Gefahr eines Infarktes wird stark reduziert, der Stoffwechsel wird angeregt und die Adern werden elastischer. Sie wirkt verjüngend auf den Organismus, stark hemmend bei Herz- und und bei Tumorbildung und Sklerose. Die Sehkraft wird gestärkt und kann auch beim „Tinnitus aurium“ helfen. Sie macht die roten Blutkörperchen geschmeidiger und erleichtert dadurch den Sauerstoff-Transport bis in die kleinsten Kapillaren. Die Verklumpung der Blutplättchen wird verhindert und so die Entstehung von Blutgerinnseln (Thromben) auf ein Minimum gesenkt. Sie beeinflusst positiv den Blutzucker, Cholesterinspiegel und senkt den Blutdruck.

Wie es aussieht, werde ich demnach den größten Teil der überaus geschätzten Leser dieser Zeilen überleben, meiner Berücksichtigung im Testament steht also nichts im Wege.

Einen unmittelbaren Effekt dieser Kur habe ich bereits feststellen können: die gemeinsame Sauna steht in letzter Zeit zu meiner alleinigen Verfügung. Mal sehen wie lange der Effekt anhält, vielleicht wird mir ja auch die Teilnahme an zukünftigen Sitzungen untersagt :-)

17 Oktober 2012

Es gibt sie noch!

Offensichtlich gibt es sie tatsächlich noch: Personen, welche sich mittels Mail nach meinem Befinden erkundigen.

Komischerweise funktioniert auch im Jahre 2012 meine Mailadresse maiand4@alpikom.it nicht. Einfach an maiand4@dnet.it schreiben - da wird ihnen geantwortet.

Inside Lappeenranta – Essen in Lappeenranta

Der Himmel auf Erden! In Lappeenranta befindet sich eine Produktionsstätte des Süßwarenherstellers „Fazer“, in dessen Sortiment von Milchschokoladepralinen mit Karamellfüllung über Bitterschokoladepralinen mit Lakritzfüllung bis Fruchtgummi in verschiedensten Formen und Geschmacksrichtungen so ziemlich alles zu finden ist, was ein Süßwarenfetischisten-Herz begehrt.
Glücklicherweise werde ich von meinen zuweilen manisch anmutenden Gummibärchen-Verdrückungs-Aktionen nur im Kreise meiner überaus geschätzten Arbeitskollegen heimgesucht und konnte bisher somit mein Kampfgewicht von hüstelhüstel Kilo halten.

In Bezug auf die wahren Gaumenfreuden des Lebens wie Proteine, Tannine, Koffeine, Nikotine,... hat die Küche Lappeenrantas durchaus (um nicht zu sagen: ausschließlich) Entwickungspotential - und auf diese Folmulierung bin ich wahrhaft stolz :-)
Wenn ein Genussmensch in knappen 30 Tagen Aufenthalt nur fünf mal den Weg in ein Restaurant - Ravintola auf gut finnisch - findet, hat dies meist einen triftigen Grund: neben den teilweise horrenden Preisen - zumindest in Bezug auf das Dargebotene - hatten die Köche der besuchten Restaurants die zweifelhafte Gabe, an sich hervorragende Einzelzutaten zu einem - zumindest für meinen Gaumen - nicht mehr so hervorragendem Ganzen zu kombinieren.
Preislich bewegen wir uns auf dem Niveau eines guten Restaurants in Südtirol - mit dem Unterschied, dass dort (normalerweise) eine Flasche Wein auf der Rechnung aufscheint. In Lappeenranta überzeugt man sich durch einen kurzen Blick in die Weinkarte, dass Wasser  den Durst ebenso stillt und nebenbei dem Entgiften und Entschlacken viel zuträglicher ist...
Geschmacklich unterscheiden sich die Vorlieben der Finnen dann doch sehr von jenen der Bewohner südlich des Alpenhauptkammes. Im lumu - sicherlich eines der besseren Restaurants in Lappeenranta - schwamm das (in Butter frittierte?) gegrillte Lachssteak in zerlassener Butter - da brauchst als Sofortmaßnahme bzw. als Unterstützung für deinen Magen zumindest einen großen Klaren - welchen du dir dummerweise aber wieder nicht leisten kannst. Ein Teufelskreis ohne Entrinnen...
Die Pizza-Erfahrung im Makasiini lassen wir mal außen vor: selbst schuld, wenn man in diesen Breitengraden unbedingt belegte italienische Teigfladen essen muss...

Auch das von mir heiß begehrte Rentiersteak ist noch auf keiner Speisekarte aufgetaucht (außer als Ragout zu einer Pasta, habe aber aus meiner Pizza-Erfahrung im selben Restaurant meine Lehren gezogen...), werde mich demnächst also in Rovaniemi im Lande der Lappen nach der Befriedigung meiner Lust umsehen :-)

PS: Spezialwünsche an den Weihnachtsmann, welcher bekannterweise ja in Rovaniemi beheimatet ist, bitte innerhalb dieser Woche bei mir deponieren - ich werde mich für die persönliche Weitergabe an den Mann mit dem weißen Bart verdingen.

14 Oktober 2012

Inside Lappeenranta - Das Wetter, zum zweiten

Nachfolgend einige Impressionen der von der Wettervorhersage versprochenen Winterlandschaft in Lappeenranta.

14. Oktober 2012 - Saimaa


Ob Süd oder Nord,
Wetterfrösche irren an jedem Ort

12 Oktober 2012

Inside Lappeenranta - Das Wetter

Neben dem Finnischen Meerbusen besitzt Finnland - zumindest in diesen Breiten - ein weiteres, sehr ausgeprägtes weibliches Element: das Wetter. Dieses ist in gegenwärtiger Jahreszeit sowas von launisch, dass es im finnischen sogar einen weiblichen Artikel besitzt und "die Wetter" heißt... ;-)

Hier hat in der Zwischenzeit der Herbst eindeutig die Herrschaft übernommen, die Blätter schimmern in einer wahren Orgie aus Gelb-, Orange- und Rottönen. Leider wechseln sich Nieselregen mit trockenen Abschnitten so ziemlich im Halbstundentakt, längere Sonnenphasen sind in der Zwischenzeit rar.

Doch wie der alte Finne bereits zu sagen pflegt: Es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur ungeeignete Kleidung. Und so wird es sich wohl auch mit den Frauen verhalten: Es gibt überhaupt keine launischen Frauen sondern nur unaufmerksame Männer ohne jegliches Verständnis für die Probleme einer Frau :-)

Schönes Wochende in den Süden

Nachtrag: ab Sonntag ist Wetterbesserung in Sicht - es beginnt scheinbar zu schneien :-)

09 Oktober 2012

Inside Lappeenranta - Leben in Lappeenranta

Nach knapp dreiwöchigem Aufenthalt in Lappeenranta, ist es nun an der Zeit für einen ersten Lagebericht.
Lappeenranta liegt direkt am Saimaa-See, Südkarelien, in unmittelbarer Nähe zur russischen Grenze, welche ca. 40 Km entfernt liegt. Diese unmittelbare Nähe ist leicht am zahlenmäßig gewaltigen Andrang der Nachbarn aus dem Osten in den wahrlich unzählig vorhandenen Einkaufszentren der Stadt  feststellbar - die Russen haben sich in dieser Gegend zu einem nicht unwesentlichen Kunden entwickelt.
An kulturell interessanten Bauwerken hat Lappeenranta nicht wirklich viel zu bieten - Folge mehrerer kriegerischer Auseinandersetzungen in diesem Gebiet. Besonders dem Winterkrieg 1939 und dem Fortsetzungskrieg 1941 sind große Teile der Stadt zum Opfer gefallen. Erwähnenswert und einen Besuch wert ist sicherlich die alte Festung am Nordende der Stadt auf einem Hügel gelegen und mit ausgezeichnetem Ausblick auf den Hafen. Hier befindet sich auch ein nettes, im alten Stil gehaltenes Kaffeehaus, mit wahnsinnig unerschwinglichen Preisen aber durchaus sympathischer Bedienung.
Unbedingt einen Schiffsausflug sollte man auf dem Saimaa-Kanal unternehmen, welcher über 43 Km und 8 Schleusen bis nach Wyborg in Russland führt und dabei eine Höhendifferenz von 76m überwindet.
Die Natur ist sicherlich die Stärke der Stadt: unendliche See- und Waldflächen laden zu sportlichen Aktivitäten ein, Radwege sind massenhaft vorhanden, genauso wie Häuser am See - Gruß an Vroni ;-)
Übrigens ist der schwedische Name Lappeenranta’s Villmanstrand, was scheinbar soviel wie Wilder Mann Strand bedeuten soll - somit wäre auch das Stadtwappen http://de.wikipedia.org/wiki/Lappeenranta erklärt.

Lappeenranta