Wenn man
sich an den andauernden Nieselregen erst mal gewöhnt und sich
kleidertechnisch entsprechend ausgerüstet hat, lässt es sich hier
im hohen Norden ganz gut leben.
Meine
Zeit verbringe ich aufgrund der weiterhin akuten Abneigung lokaler
Essgewohnheiten zu einem guten Teil mit Lebensmittelbeschaffung und
-verarbeitung - inzwischen habe ich mich zu einem ganz passablen Koch
gemausert, welchen auch neue Rezepte nicht schrecken.
Natürlich
wird auch kräftig Sport getrieben. In der Zwischenzeit musste ich
mich aber leider aufgrund einer Zerrung in der linken Pobacke vom
Hardcore-Power-Running verabschieden und mich meinem Alter
entsprechend dem Hardcore-Power-Nordic-Walking und dem
Hardcore-Power-Finnisch-Volks-Dancing zuwenden.
Habe
auch festgestellt, dass sich meine Kleidergröße von "L" wie Large auf
"S" wie Schmalwurf reduziert hat. Denke das hat weniger mit dem ganzen
durch-die-Gegend-Gehopse zu tun als eher damit, dass hier die
Kleidergrößen anders gehandhabt werden, damit auch die von Haus aus
stämmigeren Finnen gerne und regelmäßig einkaufen – wer kauft
schon gerne XXXL...
In der
Zwischenzeit habe ich meine Leidenschaft für finnische
Schriftsteller entdeckt - so was von schwarzhumorig findet man
selten. Besonders empfehlenswert „Canale Grande“ von Hannu
Raittila. In diesem Buch wird in treffender Weise die
unterschiedliche Lebensauffassung von Nord- bzw. Südländern auf die
Schippe genommen und so manches Klischee bedient.
Was ich
hier am meisten vermisse, ist sicherlich meine
Hängematte/Liebesschaukel, ein anständiges Törggelen, eine Flasche
Magdalener aus Erzeugerabfüllung und Johannas Duft.
Zumindest
das Törggeleproblem konnte teilweise gelöst werden, die
Kraut-Zubereitung ist nunmehr für mich kein Buch mit sieben Siegeln
mehr. Über die hier übliche Hauswurst brauchen wir jedoch kein Wort
verlieren – mit so einer Wurst müsste jeder Buschenschank in
Südtirol Konkurs anmelden...
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