25 Oktober 2012

Inside Lappeenranta – Mein Leben in Lappeenranta


Wenn man sich an den andauernden Nieselregen erst mal gewöhnt und sich kleidertechnisch entsprechend ausgerüstet hat, lässt es sich hier im hohen Norden ganz gut leben.

Meine Zeit verbringe ich aufgrund der weiterhin akuten Abneigung lokaler Essgewohnheiten zu einem guten Teil mit Lebensmittelbeschaffung und -verarbeitung - inzwischen habe ich mich zu einem ganz passablen Koch gemausert, welchen auch neue Rezepte nicht schrecken.

Natürlich wird auch kräftig Sport getrieben. In der Zwischenzeit musste ich mich aber leider aufgrund einer Zerrung in der linken Pobacke vom Hardcore-Power-Running verabschieden und mich meinem Alter entsprechend dem Hardcore-Power-Nordic-Walking und dem Hardcore-Power-Finnisch-Volks-Dancing zuwenden.

Habe auch festgestellt, dass sich meine Kleidergröße von "L" wie Large auf "S" wie Schmalwurf reduziert hat. Denke das hat weniger mit dem ganzen durch-die-Gegend-Gehopse zu tun als eher damit, dass hier die Kleidergrößen anders gehandhabt werden, damit auch die von Haus aus stämmigeren Finnen gerne und regelmäßig einkaufen – wer kauft schon gerne XXXL...

In der Zwischenzeit habe ich meine Leidenschaft für finnische Schriftsteller entdeckt - so was von schwarzhumorig findet man selten. Besonders empfehlenswert „Canale Grande“ von Hannu Raittila. In diesem Buch wird in treffender Weise die unterschiedliche Lebensauffassung von Nord- bzw. Südländern auf die Schippe genommen und so manches Klischee bedient.

Was ich hier am meisten vermisse, ist sicherlich meine Hängematte/Liebesschaukel, ein anständiges Törggelen, eine Flasche Magdalener aus Erzeugerabfüllung und Johannas Duft.
Zumindest das Törggeleproblem konnte teilweise gelöst werden, die Kraut-Zubereitung ist nunmehr für mich kein Buch mit sieben Siegeln mehr. Über die hier übliche Hauswurst brauchen wir jedoch kein Wort verlieren – mit so einer Wurst müsste jeder Buschenschank in Südtirol Konkurs anmelden...

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